ZEITKANTE

DER MENSCH HINTER DER KANTE

CHRISTIAN POHLER.

Hundetrainer. Filmemacher. Grafiker. Werbefachmann. Songschreiber. Musiker. Und jemand, der offenbar nie gelernt hat, nur eine Idee gleichzeitig zu haben.

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01 / NICHT NUR EINE SCHUBLADE

IDEEN SIND SELTEN LEISE.

Christian Pohler lebt und arbeitet in Klagenfurt am Wörthersee. Beruflich bewegt er sich bewusst zwischen Welten, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: Hundetraining, Film, Gestaltung, Werbung, Musik und digitale Experiences.

Als tierschutzqualifizierter Hundetrainer beschäftigt ihn die Frage, wie Menschen Hunde wirklich verstehen lernen. Als Filmemacher und Gestalter interessiert ihn, wie Bilder, Sprache, Rhythmus und Interaktion Bedeutung erzeugen. Als Werbefachmann fragt er, warum manche Ideen hängen bleiben und andere im Rauschen verschwinden.

ZEITKANTE ist aus genau dieser Mischung entstanden: aus Neugier, aus dem Bedürfnis, Dinge genauer anzusehen, und aus dem Umstand, dass im Kopf oft mehr Ideen gleichzeitig auftauchen, als ein einzelner Tag vernünftigerweise verträgt.

01 / HUNDE

Menschentrainer für Hundefragen.

Tierschutzqualifiziertes Hundetraining, Beziehung, Verhalten und die Kunst, genauer hinzusehen, bevor vorschnell bewertet wird.

02 / BILD

Film, Grafik und digitale Räume.

Geschichten werden für ihn nicht nur geschrieben. Sie werden geschnitten, gestaltet, vertont, bewegt und manchmal als Website begehbar gemacht.

03 / KLANG

Songs, Musik und Worte.

Songwriting und Musik sind ein weiterer Weg, Gedanken und Emotionen in eine Form zu bringen, die länger bleibt als der erste Moment.

02 / ZWEI, DIE VIEL MITREDEN

XELA & STAN.

AUSTRALIAN SHEPHERD · 7

Xela-Wie von Bukatwins

Seit ihrer achten Lebenswoche begleitet Christian Xela in der Rettungshundearbeit. Fläche, Trümmer und Lawine gehören zu ihrer gemeinsamen Geschichte – und damit auch viele Stunden, in denen Vertrauen, Kommunikation und Zusammenarbeit wichtiger sind als jedes Etikett.

LABRADOR-MISCHLING · 13

Stan

Stan bringt eine andere Perspektive mit: die Ruhe, Erfahrung und Eigenwilligkeit eines älteren Hundes. Zwei Hunde, zwei Charaktere – und zwei sehr unterschiedliche Lehrer.

03 / DAS GESPRÄCH

20 FRAGEN.
KEINE PR-ANTWORTEN.

Ein Gespräch über Ideen, Hunde, Musik, Gestaltung, ZEITKANTE und die Frage, warum ein Kopf manchmal einfach nicht aufhört, neue Wege zu bauen.

01

Du bist Hundetrainer, Werbefachmann, Grafiker, Filmemacher, Songschreiber und Musiker. Kannst Du eigentlich einfach nur eine Sache machen, ohne dass Dir währenddessen schon fünf neue Ideen für etwas völlig anderes durch den Kopf gehen?

Tja, das wäre schön … Meistens ist es so: Wenn ich eines dieser Dinge mache und auf eine Thematik stoße, die mich beschäftigt und über die ich mehr nachdenke, kommen Ideen, wie man etwas lösen könnte. Dabei fallen mir oft Dinge auf, die vielleicht verbesserungsbedürftig sind oder die es so noch gar nicht gibt. Manchmal frage ich mich auch, warum etwas nicht einfacher gelöst wurde oder was vielleicht noch fehlt.

Es ist einerseits ein Segen, aber oft auch wie ein Fluch.

02

Wenn Du auf etwas stößt und denkst: „Warum ist das eigentlich so kompliziert gelöst?“ – was reizt Dich mehr? Das Problem zu verstehen oder so lange daran herumzudenken, bis Du eine bessere Lösung findest?

Das ist eher situationsbedingt! Es kommt, wie es kommt … ich hab da keine Präferenz!

03

Was macht Dich schneller unruhig: eine schlechte Idee – oder eine gute Idee, die niemand umsetzt?

Unruhig macht mich eher, wenn ich eine Idee habe und gerade keine Möglichkeit habe, sie irgendwie festzuhalten oder gleich umzusetzen.

04

Wenn Du so eine Idee hast und sie gerade nicht festhalten kannst – was passiert dann bei Dir? Bleibt sie hartnäckig im Kopf, bis Du sie irgendwo notierst, oder ist das eher ein Wettlauf gegen die Zeit, weil Du Angst hast, dass sie wieder verschwindet?

Manchmal halten sich die Ideen. Aber dadurch, dass in meinem Kopf oft so viele Ideen teilweise förmlich explodieren, kann es schon sein, dass manche wieder weg sind. Später kommen sie vielleicht wieder – oder verschwinden ganz. Aber dann waren sie anscheinend nicht so wichtig.

05

Was können Menschen Deiner Meinung nach von Hunden lernen, was sie untereinander oft verlernt haben?

Hunde sind immer ganz da, wenn sie bei Dir sind, und sie zeigen offen, was sie wollen. Wenn es Ärger gibt, beruhigen sie die Lage schnell und sind danach nicht mehr nachtragend. Davon können wir Menschen viel lernen: mehr Zeit füreinander haben, ehrlicher sein und nach einem Streit wieder aufeinander zugehen.

06

Wenn Deine beiden Hunde Xela-Wie und Stan jeweils einen Satz über Dich sagen könnten – was würde Xela-Wie sagen, und was Stan?

Xela-Wie – das ist ihr voller Name – würde sagen: Wo er ist, ist mein Platz und wo ich bin, ist er zu Hause!

Stan würde sagen: Sei nicht immer so streng mit mir. Ich kann’s nicht besser, weil ich es nie gelernt habe, aber ich bemühe mich wirklich!

07

Wenn Du heute nur noch einen einzigen kreativen Bereich behalten dürftest – Film, Grafik, Marketing, Musik oder Webdesign – welcher würde Dir am meisten fehlen, wenn er weg wäre?

Die Musik. Ich kann meine Gedanken zu Papier bringen und teilweise Dinge ausdrücken und verarbeiten, mit denen ich sonst im Alltag meine Schwierigkeiten habe.

08

Gibt es einen Song oder eine Zeile, die Du geschrieben hast, bei der Du im Nachhinein gedacht hast: „Das hätte ich im normalen Gespräch niemals so sagen können“?

Ja, da gibt es einige. Manche Gedanken lassen sich für mich in einem Song leichter aussprechen als in einem normalen Gespräch. Musik gibt mir die Möglichkeit, Dinge zu verarbeiten, Gefühle in Worte zu fassen und manchmal auch genau das zu sagen, wofür mir im Alltag die passenden Sätze fehlen. Welche Songs das sind? Hört am besten selbst hinein.

HeartVibe Collective

Bei HeartVibe Collective bekommen genau solche Gedanken, Gefühle und Geschichten ihren musikalischen Raum.

09

Du arbeitest beruflich mit Hunden – aber eigentlich sehr oft mit den Menschen am anderen Ende der Leine. Was macht Dir am Hundetraining bis heute so viel Freude, dass Du trotz all Deiner anderen Interessen immer wieder genau dort landest?

Der Hund weiß meist genau, was er tut. Meine Aufgabe ist, dem Menschen zu erklären, was sein Hund ihm eigentlich sagen will. Wenn dann bei beiden der Knoten aufgeht, ist das für mich jedes Mal ein kleiner Höhepunkt.

10

Was hat Dich in der Rettungshundearbeit mit Xela-Wie am meisten geprägt – eher die Präzision des Trainings, das Vertrauen zwischen Euch oder diese besonderen Momente, in denen Du merkst: Jetzt arbeitet ihr wirklich als Team?

Definitiv: Jetzt arbeiten wir wirklich als Team.

11

Was war ein Moment in Deinem Leben, in dem Du gemerkt hast: „Genau deshalb mache ich das alles“ – egal ob im Hundetraining, bei Film, Musik, Design oder einem ganz anderen Bereich?

Immer wenn ich merke, wie sehr mich dieses Tun erfüllt!

12

Wenn Dich etwas wirklich erfüllt, woran merkst Du das zuerst – daran, dass Du die Zeit vergisst, dass Du nicht aufhören willst, oder eher daran, dass danach dieses Gefühl bleibt: „Ja, genau das war richtig“?

Da kann es schon sein, dass ich die Zeit übersehe und plötzlich klingelt der Wecker in der Früh. lacht

Aber oft ist dann auch dieses Gefühl da: Das war wirklich gut so!

13

Wenn Du an ZEITKANTE denkst: Was soll ein Mensch nach einem guten Artikel idealerweise mitnehmen – neues Wissen, eine neue Frage, ein Aha-Erlebnis oder vielleicht sogar den Wunsch, etwas anders zu sehen als vorher?

Am besten von allem ein bisschen. Ich möchte, dass jemand nach einem Artikel nicht einfach nur denkt: Okay, jetzt weiß ich das. Ich möchte, dass etwas hängen bleibt. Vielleicht ein Aha-Moment, vielleicht eine neue Frage oder auch der Gedanke: So habe ich das bisher noch gar nicht gesehen.

Mir ist wichtig, dass ZEITKANTE nicht vorgibt, was jemand denken soll. Die Menschen sollen sich selbst ein Bild machen können. Aber dafür brauchen sie Informationen, Zusammenhänge und manchmal auch Perspektiven, die man in einer schnellen Schlagzeile einfach nicht bekommt.

Wenn ein Leser nach einem Artikel noch ein paar Minuten darüber nachdenkt, vielleicht mit jemandem darüber spricht oder sogar beginnt, selbst weiterzurecherchieren, dann hat der Artikel für mich genau das erreicht, was er sollte.

14

Was macht Dich bei Informationen oder Medien besonders skeptisch – wann beginnt bei Dir dieses Gefühl: „Moment, da möchte ich jetzt genauer hinschauen“?

Meistens bei Beiträgen, bei denen ich mitreden kann oder wo ich vorher schon recherchiert habe. Es kommt aber auch vor, dass ich mir manches einfach nicht vorstellen kann, dass es wirklich so sein soll – und dann beginne ich, mehr nachzuforschen.

15

Gibt es ein Thema, bei dem Du gemerkt hast: „Je mehr ich darüber weiß, desto weniger glaube ich an einfache Antworten“?

Ja. Bei Corona zum Beispiel, beim Krieg in der Ukraine oder auch bei politischen Entwicklungen und Entscheidungen. Gerade bei solchen Themen habe ich gemerkt, wie schnell einfache Antworten an ihre Grenzen kommen, wenn man beginnt, genauer hinzusehen.

16

Wenn Du einen Film, eine Website oder ein Design siehst, das Dich wirklich begeistert – was muss es bei Dir auslösen, damit Du denkst: „Verdammt, das ist richtig gut“?

Es muss mich sofort packen. Nicht weil überall Effekte herumfliegen oder alles möglichst laut ist, sondern weil ich merke: Da hat sich jemand wirklich etwas gedacht. Idee, Gestaltung, Funktion und Details müssen zusammenpassen.

Ich mag Dinge, bei denen man beim ersten Blick schon denkt: Wow – und beim zweiten, dritten oder vierten Blick immer noch neue Kleinigkeiten entdeckt. Genau diese Details machen für mich den Unterschied.

Bei einer Website will ich nicht einfach nur Informationen anklicken. Ich will etwas erleben. Trotzdem darf die Bedienung niemals darunter leiden. Wenn ich erst herausfinden muss, wie etwas funktioniert, nur weil es besonders aussehen soll, ist es für mich schon wieder schlecht gelöst.

Und bei Film und Design ist es ähnlich: Es muss eine Stimmung erzeugen, eine Geschichte erzählen oder etwas in mir auslösen. Wenn ich danach denke: Verdammt, warum bin ich da nicht selbst draufgekommen? – dann war es richtig gut.

17

Wenn Du etwas gestaltest oder entwickelst: Wann ist es für Dich wirklich fertig – oder gibt es diesen Punkt eigentlich gar nicht?

Ich bin leider ein Perfektionist, Es gibt immer was zu verbessern, zu erweitern, zu "perfektionieren"!
Aber ich hab gelernt, es einfach auch mal gut sein zu lassen!

Früher hätte ich wahrscheinlich noch zehnmal irgendwo herumgeschraubt, weil mir wieder eine Kleinigkeit aufgefallen ist. Heute weiß ich: Irgendwann muss etwas raus in die Welt. Sonst wird aus dem Perfektionieren irgendwann nur noch ein Nicht-fertig-Werden.

Das heißt aber nicht, dass ich danach nichts mehr angreife. Im Gegenteil. Wenn mir später etwas auffällt oder ich eine bessere Idee habe, wird eben weiterentwickelt. Für mich ist vieles nie endgültig fertig – es erreicht einfach einen Punkt, an dem es gut genug ist, um den nächsten Schritt zu machen.

18

Du hast oft sehr viele Ideen gleichzeitig. Gibt es trotzdem etwas, das Du schon seit Jahren unbedingt verwirklichen möchtest und das bisher immer wieder warten musste?

Ja. Ich möchte mir einen Campingbus kaufen und damit raus in die Welt fahren – von überall auf der Welt für überall in der Welt arbeiten. Und das ist in meinem Job, Gott sei Dank, ja möglich.

Auch mein Hundetraining möchte ich in die Welt hinaustragen, vor allem dorthin, wo vielleicht noch nicht mit so fortschrittlichen Trainingsmethoden gearbeitet wird wie hier.

19

Wenn Dein 20-jähriges Ich Dich heute sehen könnte – mit Hundetraining, Film, Musik, Design, ZEITKANTE und all den Projekten gleichzeitig – was glaubst Du, würde es zu Dir sagen?

Ich war schon sehr früh das erste Mal selbständig, weil ich Ideen hatte und diese in die Welt bringen wollte. Ich habe mich oft für Wege entschieden, die nicht vorteilhaft für mich waren. Aber das musste alles so sein, da ich einiges zu lernen hatte bzw. immer noch zu lernen habe! Alles auf deinem Weg ist deine Verantwortung, deine geschaffene Realität! Jeder ist der Architekt seiner Realität!

Ich habe das voriges Jahr endlich begriffen. Seitdem entscheide ich bewusst, wie ich meinen Weg gestalte, übernehme Verantwortung dafür und lebe das, was ich sein will. Denn der Architekt seiner Realität versucht nicht – er gestaltet.

20

Wenn Du all das, was Du bisher erlebt, gelernt, ausprobiert, verworfen und neu begonnen hast, auf einen einzigen Satz reduzieren müsstest – welchen Satz würdest Du jemandem mitgeben, der gerade noch nicht den Mut hat, seinen eigenen Weg zu gehen?

Ich glaube, das schaffe ich nicht in einem einzigen Satz. lacht

Warte nicht darauf, dass irgendwann der richtige Zeitpunkt kommt oder Dir jemand sagt, dass Du jetzt anfangen darfst. Wenn Du etwas wirklich willst, dann geh los. Du wirst Fehler machen, falsche Abzweigungen nehmen und manchmal erst viel später verstehen, warum genau dieser Weg notwendig war. Aber auch das gehört dazu.

Übernimm Verantwortung für Deine Entscheidungen, für Deinen Weg und dafür, was Du aus dem machst, was Dir begegnet. Hör auf, darauf zu warten, dass sich im Außen etwas verändert, damit sich in Deinem Leben etwas verändern kann.

Sei nicht der Zuschauer Deines eigenen Lebens. Sei sein Architekt. Entscheide, wer Du sein willst – und dann verkörpere genau das.